Tool-Kompass holen

Vereinsanalyse im Sportverein: So findet ihr heraus, wo ihr wirklich steht

Mit einer strukturierten Vereinsanalyse aus IST-Analyse, Umfeldanalyse und SWOT-Analyse findet ihr heraus, wo euer Verein digital wirklich steht.

  • Andreas von Vereinsinnovation
  • 13 Min. Lesezeit
  • Aktualisiert am
Vorstand und Ehrenamtliche besprechen im Vereinsheim, wo ihr Verein steht

Auf einen Blick

Bevor ihr neue Tools einführt, schaut ihr euch euren Verein ehrlich an. Die IST-Analyse zeigt, wo ihr steht, die Umfeldanalyse, was von außen wirkt, und die SWOT-Analyse führt beides zusammen. Daraus entsteht ein gemeinsames digitales Zielbild.

Für wen
Vorstände, die vor der Digitalisierung wissen wollen, wo ihr Verein heute steht.

Montagabend, Vorstandssitzung. Jemand bringt eine neue App für die Trainingsplanung ins Gespräch, jemand anderes will endlich eine Mitgliederverwaltung, die nicht mehr in Excel lebt. Am Ende des Abends habt ihr drei neue Ideen und keinen Plan, wo ihr eigentlich anfangen sollt. Genau in diesem Moment fehlt eine saubere Vereinsanalyse: ein ehrlicher Blick darauf, wie euer Verein heute tatsächlich arbeitet, bevor ihr in neue Tools investiert.

Analyse klingt nach Beraterdeutsch, ist im Kern aber simpel: Ihr schaut euch euren eigenen Verein an, bevor ihr etwas verändert. Drei Bausteine gehören dazu: die IST-Analyse, die Umfeldanalyse und die SWOT-Analyse. Dazu die richtigen Leute an einem Tisch und am Ende ein gemeinsames digitales Zielbild. Über 10 Jahre Erfahrung im Vereinsmanagement stecken in diesem Vorgehen.

Warum eine Vereinsanalyse vor der Digitalisierung unverzichtbar ist

Die meisten Digitalisierungsprojekte im Amateurverein starten mit einer Idee, nicht mit einer Analyse. Jemand hat ein Tool gesehen, das im Nachbarverein gut läuft, oder ein Sponsor bietet eine Softwarelizenz an. Die Idee wird angeschafft, eingeführt, und drei Monate später nutzt sie kaum jemand.

Der Grund ist fast immer derselbe: Es gab vorher keine Analyse. Niemand hat sich angeschaut, wo die eigentlichen Zeitfresser liegen, welche Abläufe schon gut funktionieren und wo die Trainer oder Ehrenamtlichen wirklich Unterstützung brauchen. Ohne diese Grundlage triffst du Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Das betrifft nicht nur kleine Vereine mit wenigen hundert Mitgliedern. Auch größere Vereine mit mehreren Abteilungen kaufen regelmäßig Software ein, die am Ende nur eine einzelne Abteilung nutzt, weil niemand vorher geprüft hat, was die anderen Abteilungen tatsächlich brauchen.

Ein Beispiel aus dem Vereinsalltag: Trainingszeiten laufen über drei WhatsApp-Gruppen, Spielverlegungen zusätzlich per Mail, Anwesenheiten in einer Excel-Tabelle, die nur eine Person pflegt. Jede einzelne Lösung funktioniert für sich. In der Summe kostet das Nebeneinander enorm viel Abstimmungszeit. Genau das findet eine ehrliche Bestandsaufnahme heraus, bevor du irgendein neues Tool kaufst.

Eine strukturierte Analyse bringt dir drei Dinge:

  • Transparenz darüber, wie eure Prozesse heute wirklich laufen (nicht, wie sie auf dem Papier laufen sollten)
  • Klarheit, wo Zeit verloren geht und wo doppelte Arbeit entsteht
  • Eine gemeinsame Faktenbasis, auf der der Vorstand Entscheidungen trifft statt sie zu erraten

Für dich im Vorstand heißt das konkret: Du vermeidest Fehlinvestitionen, du kannst Maßnahmen nach ihrem tatsächlichen Nutzen priorisieren, und du hast im Zweifel eine nachvollziehbare Begründung, warum ihr euch für ein Tool entschieden habt und nicht für ein anderes. Eine Analyse ist der Teil der Arbeit, der jeden weiteren Schritt erst sinnvoll macht.

Was ist eine Vereinsanalyse genau?

Eine Analyse ist die strukturierte Bestandsaufnahme eines Sportvereins: Sie untersucht den aktuellen IST-Zustand in Bereichen wie Vereinsstrategie, Finanzen, Personal, Vereinsangebote und Kommunikation, um daraus Stärken, Schwächen und Handlungsbedarf abzuleiten. Sie ist damit die Grundlage für jede weitere strategische Entscheidung im Verein, auch für die Digitalisierung.

Der Begriff kommt ursprünglich aus dem Vereinsmarketing. VIBSS, das Beratungsnetzwerk des organisierten Sports, beschreibt die Vereinsanalyse als Werkzeug, um “den Verein auf Herz und Nieren zu prüfen”, bevor eine strategische Neuausrichtung ansteht. Für die Digitalisierung gilt dasselbe Prinzip: Du digitalisierst gezielt die Stellen, an denen euer Verein echten Handlungsbedarf zeigt.

Die drei Bausteine deiner Vereinsanalyse

Eine vollständige Analyse besteht aus drei Teilen, die aufeinander aufbauen: der IST-Analyse (Blick nach innen), der Umfeldanalyse (Blick nach außen) und der SWOT-Analyse, die beide Perspektiven zusammenführt. Jeder Baustein beantwortet eine andere Frage. Erst alle drei zusammen ergeben ein vollständiges Bild.

IST-Analyse: Wo steht dein Verein heute?

Die IST-Analyse ist der erste und wichtigste Schritt jeder Bestandsaufnahme. Hier bewertest du den gegenwärtigen Zustand deines Vereins, ohne schon über Lösungen nachzudenken. Ein bewährtes Vorgehen dafür ist die Stärken- und Schwächenanalyse: Du oder eine kleine Arbeitsgruppe bewertet konkrete Bereiche des Vereins auf einer einfachen Skala, zum Beispiel von “gut” bis “schlecht”.

Typische Untersuchungsbereiche einer IST-Analyse im Verein sind:

  • Vereinsstrategie und Zielsetzung
  • Vereinsangebote (sportlich und außersportlich)
  • Personal und Ehrenamt
  • Finanzen und Beitragsstruktur
  • Vorstandsarbeit und Organisation
  • Ausstattung der Sportstätten
  • Kommunikation nach innen und außen

Für die Digitalisierung lohnt es sich, jeden dieser Bereiche mit der Frage zu ergänzen: Wo läuft hier schon etwas digital, und wo hakt es? Wird die Trainingsplanung digital abgestimmt oder über drei verschiedene Chatgruppen? Läuft die Mitgliederverwaltung in einer Software oder in einer Excel-Datei, die eine einzige Person versteht?

Wichtig bei der IST-Analyse: Du bewertest den Zustand, nicht die Personen. Es geht darum, gewachsene Strukturen sichtbar zu machen, die sich im Alltag so eingespielt haben und genau deshalb oft ineffizient geworden sind.

Die zweite Säule der Analyse ist der Blick nach außen: die Umfeldanalyse. Sie untersucht, welche Entwicklungen außerhalb des Vereins Einfluss auf eure Arbeit haben: Dinge, die ihr nicht selbst steuert, auf die ihr aber reagieren müsst.

Für Sportvereine sind vor allem vier Arten von Umfeldtrends relevant:

  • Soziodemografische Trends: mehr ältere Mitglieder, mehr Alleinerziehende, veränderte Familienstrukturen. Das wirkt sich direkt auf Trainingszeiten und Angebote aus.
  • Gesellschaftliche Trends: verändertes Freizeitverhalten, wachsende Erwartungen an schnelle, transparente Kommunikation, mehr Interesse an flexiblen statt festen Kursangeboten.
  • Technologische Trends: Digitalisierung ist laut DOSB der zentrale technologische Megatrend unserer Zeit, von Vereinssoftware über Social Media bis zu digitalen Trainingsanalysen.
  • Politische und rechtliche Trends: neue Datenschutzvorgaben, Verbandsregelungen oder gesetzliche Änderungen, die eure Möglichkeiten mitbestimmen.

Eine Umfeldanalyse bedeutet nicht, dass ihr jeden Trend sofort umsetzen müsst. Sie zeigt euch, worauf ihr in den nächsten Jahren vorbereitet sein solltet, und verhindert, dass ihr Entscheidungen trefft, die an der Realität eurer Mitglieder vorbeigehen.

SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zusammenführen

Der dritte Baustein bringt die beiden vorherigen zusammen: die SWOT-Analyse. SWOT steht für Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats, auf Deutsch Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken. Sie kombiniert die interne Sicht aus der IST-Analyse mit der externen Sicht aus der Umfeldanalyse in einer einzigen, übersichtlichen Matrix:

PositivNegativ
VereinsinternStärken eures VereinsSchwächen eures Vereins
VereinsexternChancen für euren VereinRisiken/Gefahren für euren Verein

Für eine SWOT-Analyse zur Digitalisierung prüft ihr typischerweise dieselben Bereiche wie bei der IST-Analyse noch einmal, diesmal aber im Vergleich zu Chancen und Risiken von außen: Wo ist eure Vereinsstrategie stark genug, um neue digitale Angebote zu tragen? Wo bietet ein technologischer Trend eine echte Chance, weil eure Konkurrenzvereine noch nicht digital aufgestellt sind? Wo ist eine Schwäche in der Kommunikation gleichzeitig ein Risiko, weil jüngere Mitglieder digitale Erreichbarkeit erwarten?

Die Stärken- und Schwächenanalyse innerhalb der SWOT-Analyse lässt sich meist gut selbst durchführen, etwa über eine kurze Befragung im Vorstand und Trainerteam. Die Einschätzung von Chancen und Risiken ist aufwendiger, weil sie Wissen über Trends und das Vereinsumfeld voraussetzt. Hier lohnt sich häufig ein Blick von außen, zum Beispiel durch den Landessportbund oder Fachverband.

Ein Beispiel, wie die Matrix in der Praxis aussieht: Ein Handballverein trägt bei der Analyse ein, dass die Kommunikation mit den Eltern eine Schwäche ist (drei parallele WhatsApp-Gruppen, keine zentrale Ablage für Termine). Gleichzeitig zeigt die Umfeldanalyse eine Chance: Nachbarvereine bieten noch keine App-basierte Elternkommunikation an. Aus dieser einen Zeile in der SWOT-Analyse wird eine konkrete Priorität für das nächste Jahr, statt einer vagen Idee, “mal was mit einer App zu machen”.

Was die Ergebnisse für eure vier Digitalisierungsbereiche bedeuten

Die Ergebnisse aus IST-Analyse, Umfeldanalyse und SWOT-Analyse lassen sich direkt auf die typischen Digitalisierungsbereiche im Sportverein übertragen. Das macht die Zahlen aus der Tabelle greifbar, statt sie als graue Theorie abzulegen.

Vereinsanalyse

Training & Leistungsanalyse. Prüft, wie eure Trainingsplanung und -auswertung heute laufen. Arbeitet ihr mit Stoppuhr und Notizblock, oder gibt es bereits eine Videoanalyse, zum Beispiel mit einer Kamera wie Veo? Auch Reaktionstrainer wie BlazePod fallen in diesen Bereich und lohnen einen Blick, wenn die Trainingssteuerung stark von einzelnen Trainern abhängt.

Vereinsverwaltung & Eventmanagement. Hier liegen meist die größten Zeitfresser: Mitgliederverwaltung in Excel, Turnierplanung per Telefonliste, Beitragsmahnungen von Hand. Eine Vereinssoftware bündelt genau diese Aufgaben an einer Stelle. Speziell für die Turnierplanung lohnt sich ein Vergleich zwischen manueller Planung, einer Excel-Vorlage und dedizierter Turniersoftware, je nachdem, wie viele Mannschaften und Spieltage euer Verein pro Saison organisiert.

Effiziente Infrastruktur. Sportstätten, Schließsysteme, Heizungssteuerung: Dieser Bereich wird oft übersehen, weil er nicht direkt mit Sport zu tun hat. Eine intelligente Schließanlage spart trotzdem viel ehrenamtliche Zeit, etwa wenn aktuell jeden Abend eine einzelne Person persönlich abschließt.

Marketing & Kommunikation. Website, Social Media, E-Mail-Newsletter, Sponsoring-Kommunikation: Hier zeigt eure Umfeldanalyse meist den größten Handlungsdruck, weil sich Erwartungen an schnelle, transparente Kommunikation besonders schnell ändern.

Nicht jeder Bereich braucht sofort eine eigene Lösung. Die SWOT-Matrix hilft, aus den vier Bereichen die ein oder zwei mit dem größten Verhältnis von Aufwand zu Nutzen herauszufiltern.

Typische Fehler bei der Vereinsanalyse

Auch eine gut gemeinte Analyse kann wenig bringen, wenn ein paar typische Fehler passieren. Vier davon sehen wir in der Praxis besonders häufig.

Der Vorstand analysiert allein. Ohne Trainerteam und Ehrenamtliche entsteht ein Bild, das an der Vereinsrealität vorbeigeht. Die Lösung steht bereits weiter oben: mindestens drei Perspektiven einbeziehen.

Die Analyse wird zur Wunschliste. Statt den IST-Zustand ehrlich zu bewerten, schreiben Teilnehmende sofort auf, welche Tools sie sich wünschen. Das vermischt Bestandsaufnahme und Lösung und verzerrt das Ergebnis. Trennt beides bewusst: erst der Zustand, dann die Idee.

Zu viele Bereiche auf einmal. Wer bei der ersten Analyse gleich alle sieben Untersuchungsbereiche im Detail bewerten will, verliert sich in Kleinigkeiten. Für den Einstieg reichen zwei bis drei Bereiche mit dem größten spürbaren Handlungsdruck völlig aus.

Die Ergebnisse verschwinden in der Schublade. Eine Bestandsaufnahme ohne anschließende Entscheidung im Vorstand war reine Fleißarbeit. Legt direkt im Anschluss fest, wer bis wann welchen Punkt angeht.

Wie oft solltet ihr eure Vereinsanalyse wiederholen?

Eine Analyse ist keine einmalige Übung. Vereine verändern sich, Mitgliederstruktur und Umfeld ebenso, und eine Bewertung von vor fünf Jahren sagt wenig über die aktuelle Lage aus.

Ein guter Rhythmus für die meisten Amateurvereine: eine vollständige Analyse alle zwei bis drei Jahre, dazu eine kurze Zwischenbilanz einmal im Jahr, zum Beispiel vor der Jahreshauptversammlung. So bleibt der Aufwand überschaubar und der Vorstand hat trotzdem regelmäßig einen aktuellen Stand.

Ein zusätzlicher Anlass für eine außerplanmäßige Analyse: deutliche Veränderungen im Umfeld, etwa ein Trainerwechsel, ein größerer Mitgliederzuwachs oder ein neues Fördermittelprogramm, das sich lohnen könnte. Immer dann, wenn eine Entscheidung mit größerer Tragweite ansteht, lohnt sich vorher ein kurzer Blick auf die Ergebnisse eurer letzten Bestandsaufnahme.

Wen du in die Vereinsanalyse unbedingt einbeziehen solltest

Eine Analyse ist keine Aufgabe für den Vorstand allein am Schreibtisch. Viele Probleme entstehen genau dort, wo der Vorstand im Alltag wenig Einblick hat: auf dem Trainingsplatz, bei der Spieltagsorganisation, in der Kommunikation zwischen Eltern und Trainerteam. Wer die Vereinsanalyse nur aus Vorstandssicht macht, bekommt ein verzerrtes Bild.

Drei Perspektiven gehören mindestens in eure Vereinsanalyse:

Vorstand. Ihr habt den Überblick über Organisation, Finanzen und strategische Themen, aber selten die Detailtiefe im Tagesgeschäft.

Trainerteam. Sie erleben täglich, wo Abstimmungen nicht funktionieren: Trainingsplanung, Verfügbarkeiten, kurzfristige Änderungen bei Spielverlegungen.

Ehrenamtliche und Organisationsteam. Ob Spielberichte, Passwesen oder Platzbelegung: Hier entstehen viele manuelle Abläufe, die im Hintergrund laufen und enorm viel Zeit kosten, ohne dass der Vorstand das direkt sieht.

Du musst dafür keinen großen Workshop organisieren. Oft reichen kurze, strukturierte Gespräche mit klaren Fragen:

  • Wo verlierst du aktuell am meisten Zeit?
  • Welche Abstimmungen funktionieren nicht zuverlässig?
  • Was läuft aktuell nur “irgendwie nebenbei” mit?

Diese Antworten sind das Rohmaterial für eine ehrliche IST-Analyse. Ein Beispiel, das das zeigt: Der Vorstand führt ein neues Kommunikationstool ein, die Trainer nutzen es teilweise, parallel läuft aber weiter die alte WhatsApp-Gruppe, weil nicht alle Eltern gewechselt sind. Ergebnis: mehr Aufwand statt Entlastung. Eine Vereinsanalyse, die alle Beteiligten einbezieht, deckt solche Brüche auf. Ein Blick allein vom Vorstandstisch übersieht sie.

Nach der Vereinsanalyse: Euer digitales Zielbild festlegen

Die Vereinsanalyse liefert Klarheit über den Status quo. Ein Schritt fehlt danach trotzdem oft: Viele Vorstände überspringen die Frage, wohin sich der Verein digital entwickeln soll, und wundern sich später über widersprüchliche Entscheidungen.

Digitalisierung ist kein Selbstzweck: Sie verbessert gezielt die Stellen, die eure Vereinsanalyse als Schwachstelle zeigt. Legt ihr das Zielbild nicht fest, entstehen typische Probleme:

  • Entscheidungen werden situativ getroffen, nicht strategisch
  • Einzelne Maßnahmen greifen nicht ineinander
  • Erwartungen zwischen Vorstand, Trainerteam und Mitgliedern gehen auseinander

Ein Beispiel aus dem Fußballalltag: Ein Teil des Vorstands möchte die Kommunikation modernisieren, das Trainerteam wünscht sich vor allem Unterstützung bei der Trainingsorganisation. Ohne gemeinsames Zielbild laufen beide Themen parallel, ohne echte Verbindung. Am Ende hat niemand richtig das Gefühl, dass sich etwas verbessert hat.

Nutzt die Ergebnisse eurer Vereinsanalyse deshalb aktiv, um zwei bis drei konkrete Prioritäten für die nächsten zwölf Monate festzulegen. Weniger, aber klar priorisierte Vorhaben schlagen fast immer eine lange Wunschliste an Tools.

Ein Zielbild muss dafür nicht kompliziert sein. Ein Beispiel aus einem Handballverein: “Bis zur nächsten Saison läuft die komplette Trainings- und Spielplanung über eine einzige App, die Eltern, Trainer und Vorstand gemeinsam nutzen. Die Mitgliederverwaltung bleibt vorerst in der aktuellen Software, weil sie laut IST-Analyse gut funktioniert.” Zwei Sätze, klar formuliert, mit einem Termin und einer bewussten Entscheidung, was in diesem Jahr eben nicht angefasst wird. Genau diese Klarheit fehlt vielen Vereinen, wenn sie ohne vorherige Analyse einfach loslegen.

Praktische Hilfsmittel für eure Vereinsanalyse

Ihr müsst eure Vereinsanalyse nicht komplett bei null erfinden. Ein paar praktische Hilfsmittel machen den Einstieg leichter:

Für die IST-Analyse reicht oft eine einfache Tabelle mit den Untersuchungsbereichen (Strategie, Angebote, Personal, Finanzen, Kommunikation, Ausstattung) und einer Bewertungsskala von eins bis fünf, die ihr im Vorstand und mit dem Trainerteam gemeinsam ausfüllt.

Ein realistischer Ablauf für eure erste Bestandsaufnahme:

  1. Termin im Vorstand festlegen (60 bis 90 Minuten reichen für den Einstieg).
  2. Zwei bis drei Untersuchungsbereiche auswählen, die aktuell am meisten Zeit kosten oder am häufigsten für Ärger sorgen.
  3. Kurze Bewertung durch Vorstand, Trainerteam und Ehrenamtliche einholen, per Tabelle oder auch nur per Zuruf in der Runde.
  4. Ergebnisse in der SWOT-Matrix zusammenführen und zwei bis drei Prioritäten festlegen.
  5. Termin im Kalender für die nächste Zwischenbilanz eintragen, damit die Vereinsanalyse nicht in der Ablage verschwindet.

Diese fünf Schritte lassen sich an einem einzigen Vorstandsabend durchgehen. Mehr braucht es für den Einstieg nicht.

Für die Umfeldanalyse hilft ein Blick auf Materialien, die euer Landessportbund oder Fachverband ohnehin bereitstellt: Broschüren zu gesellschaftlichen Trends im Sport, Handreichungen zur Digitalisierung oder Musterfragebögen für Mitgliederbefragungen. Diese Dokumente sind meist kostenlos und ersparen euch, jeden Trend selbst recherchieren zu müssen. Wer zusätzlich Wert auf eine externe Einschätzung legt, kann sich beim Landessportbund nach einer Vereinsberatung erkundigen. Viele Verbände bieten diese Unterstützung für Mitgliedsvereine kostenfrei oder stark vergünstigt an.

Wenn du dir nicht sicher bist, welche digitalen Werkzeuge zu den Ergebnissen eurer Vereinsanalyse passen, haben wir dafür einen kostenlosen Tool-Kompass zusammengestellt, der Vereinen hilft, aus der Fülle an Angeboten die passenden herauszufiltern:

Kostenloser Tool-Kompass für Sportvereine

Häufige Fragen zur Vereinsanalyse

Was kostet eine Vereinsanalyse im Verein? Nichts, wenn ihr sie selbst mit Vorstand, Trainerteam und Ehrenamtlichen durchführt. Kosten entstehen nur, wenn ihr für die Umfeldanalyse oder die Moderation einen externen Berater hinzuzieht, etwa über den Landessportbund. Viele Landessportbünde bieten diese Beratung für Mitgliedsvereine kostenfrei oder gegen einen kleinen Zuschuss aus Fördermitteln an, sodass externe Unterstützung selten am Budget scheitert.

Wie lange dauert eine Vereinsanalyse? Für den Einstieg reicht ein Vorstandsabend von 60 bis 90 Minuten, wenn ihr euch auf zwei bis drei Untersuchungsbereiche beschränkt. Eine vollständige Analyse aller sieben Bereiche mit Befragung von Trainerteam und Ehrenamtlichen zieht sich über mehrere Wochen, weil Termine und Rückmeldungen Zeit brauchen.

Braucht jede Abteilung eine eigene Vereinsanalyse? Bei kleineren Vereinen reicht eine gemeinsame Analyse für den ganzen Verein. Bei größeren Vereinen mit mehreren Abteilungen, etwa Fußball und Handball unter einem Dach, lohnt sich oft eine gemeinsame Umfeldanalyse und je eine eigene IST-Analyse pro Abteilung, weil sich Trainingsalltag und Zeitfresser dort deutlich unterscheiden können. Die abschließende SWOT-Matrix könnt ihr trotzdem im Gesamtvorstand zusammenführen, damit am Ende eine gemeinsame Priorisierung entsteht und nicht fünf verschiedene Abteilungslisten nebeneinander liegen.

Fazit und nächster Schritt

Eine Vereinsanalyse beginnt mit einem ehrlichen Blick auf euren eigenen Vereinsalltag. Die IST-Analyse zeigt, wo ihr heute steht. Die Umfeldanalyse zeigt, welche Trends von außen wirken. Die SWOT-Analyse bringt beides in einer Übersicht aus Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zusammen.

Genauso wichtig ist der Schritt danach: ein gemeinsames digitales Zielbild. Erst wenn Vorstand, Trainerteam und Ehrenamtliche wissen, wo sie hinwollen, werden aus einzelnen Maßnahmen sinnvolle Entwicklungen statt Einzelaktionen.

Als nächsten Schritt kannst du dir unseren Leitfaden “Dein Weg zum digitalisierten Sportverein” herunterladen. Er zeigt dir, wie du die Ergebnisse deiner Vereinsanalyse in eine konkrete Digitalisierungsstrategie überführst:

Leitfaden: Dein Weg zum digitalisierten Sportverein

Oder lies direkt weiter, wie du aus den Ergebnissen eurer Bestandsaufnahme eine belastbare Digitalisierungsstrategie für euren Sportverein entwickelst

Dein nächster Schritt, kostenlos

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Andreas von Vereinsinnovation als Comicfigur

Andreas von Vereinsinnovation

Über 30 Jahre Sportverein, davon mehr als zehn Jahre im Vorstand als Spartenleiter, Zweiter Vorsitzender und Schatzmeister. Im Beruf beschäftigt er sich mit Prozessverbesserung.

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